Doppelt gut: Gesunde Menschen, intakte Natur
AWO Schleswig-Holstein verbindet Gesundheitsförderung und Klimaschutz
Kiel | „Die von der AWO betreuten Gruppen wie Senior*innen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen oder geringen finanziellen Mitteln sind von den bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffen“, erklärt Friederike Kruse, Klimaschutzmanagerin bei der AWO Schleswig-Holstein e.V., „deshalb engagieren wir uns in der Gesundheitsförderung und im Klimaschutz.“ Bei der Finanzierung sieht Michael Selck, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes auch den Staat in der Pflicht: „Als sozialer Träger können wir viele Maßnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung nur temporär über Fördermittel finanzieren. Hier wünschen wir uns mehr und vor allem kontinuierliche Unterstützung durch staatliche Mittel.“
Klimaschutz und Gesundheit gehören zusammen
Durch Hitze und Luftverschmutzung steigt die Gefahr für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, ebenso wie für Infektionen, Allergien und psychische Erkrankungen. Extremwetterereignisse erhöhen das Verletzungsrisiko. „Die Klimakrise ist die größte Gefahr für die Gesundheit im 21. Jahrhundert, gleichzeitig bietet Klimaschutz die größte Chance für die Gesundheit“, fasst Kruse zusammen und macht gleichzeitig Mut: „Das Schöne ist, wenn wir auf unsere Gesundheit achten, uns gesünder ernähren und mehr bewegen, sparen wir CO2 ein und tun automatisch auch etwas Gutes für das Klima.“ Ernährung, Mobilität und Sensibilisierung spielen hierbei eine wichtige Rolle und bieten im Alltag gute Ansatzpunkte. Neben notwendigen strukturellen Maßnahmen können auch kleine Veränderungen im Alltag einen Unterschied machen, in der Senioreneinrichtung und im Kindergarten ebenso wie zu Hause.
Frisch kochen und achtsam essen
Sylt | Während der Mutter-Kind-Kuren im Louise-Schroeder-Haus auf Sylt dürfen sich die kleinen und großen Gäste saisonale, regionale oder interkulturelle Gerichte wünschen. Nur aus der Tüte kommt in Rainer Schniedermeyers Küche nichts. Dass frisch kochen genauso schnell geht wie ein Fertigprodukt, beweist er den Teilnehmer*innen immer wieder: „Frische Tomaten, Zwiebeln, Gemüsebrühe, Knoblauch, Olivenöl, Salz und ein paar frische Kräuter mixen und erwärmen, fertig ist eine leckere Tomatensuppe.“ Er will den oft gestressten Müttern zeigen, dass Kochen einfach und unkompliziert sein darf und der Fokus lieber auf achtsamem Essen mit der Familie liegen sollte. Gleichzeitig schärft er das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung und empfiehlt, lieber kleinere Portionen zu essen und ggf. nachzunehmen. Bleibt etwas übrig, verwendet er zum Beispiel gekochte Kartoffeln im Dressing zum Feldsalat oder Ofenkürbis für Bratlinge oder Dips.
Gutes Team: weniger Fleisch, mehr Gemüse
Tornesch| Im Wohn- und Servicezentrum Tornesch kocht Axel Behnke mit seinem Team täglich bis zu 350 Mittagessen für Senior*innen in Tornesch, Elmshorn und Pinneberg. Eines der drei Gerichte ist immer vegetarisch. „Fleisch gehört für diese Generation oft noch zu einer vollwertigen Mahlzeit und wir wollen auch niemanden bevormunden“, erzählt er. Die Fleischportionen entsprechen den heutigen Ernährungsempfehlungen. Bewohner*innen und Gäste fragen jedoch selbst auch nach mehr Gemüse. Durch den geringeren Fleischkonsum konnte der CO2-Ausstoss bereits gesenkt werden. Außerdem kann Behnke bei gleichem Budget hochwertige Lebensmittel direkt aus der Region kaufen.
Reinigungsmittel richtig dosieren
Tornesch| Petra Hanczak leitet den Hauswirtschaftsbereich des Servicezentrums. Gerade in den öffentlichen Räumen von Gesundheitseinrichtungen ist eine gute Reinigung und Desinfektion Pflicht, um Krankheitswellen zu vermeiden. Während der Corona-Pandemie war das besonders wichtig. Um dennoch möglichst wenig Chemie einzusetzen, begann Hanczak neue Produkte zu testen. „Mittlerweile tragen 90 Prozent der eingesetzten Reinigungsmittel das EU-ECO-Label und mit der richtigen Dosierung können wir die Belastung für uns Menschen und die Natur noch weiter reduzieren“, erklärt sie. Im AWO Servicehaus hilft dabei eine Dosieranlage, die automatisch die richtige Menge des jeweiligen Reinigungs- und Desinfektionsmittels abgibt und durch den Einsatz von Ultrahochkonzentraten auch Transportwege und Lagerkosten minimiert.
Mit dem E-Bike zur ambulanten Pflege
Tornesch| 2023 hat die AWO Tornesch zwei E-Bikes angeschafft. Maren Kreib und eine weitere Kollegin aus dem Team der ambulanten Pflege nutzen sie beinahe täglich, um zu ihren Kund*innen zu fahren. Damit sie alles Notwendige für die Pflege der Senior*innen oder die unterstützenden Arbeiten im Haushalt sicher transportieren können, wurden speziellen Satteltaschen angeschafft. Auch um Besorgungen für Bewohner*innen zu machen, setzen sich Mitarbeiter*innen aus Tornesch aufs E-Bike, tun damit etwas für ihre eigene Gesundheit, sind flexibler im Straßenverkehr und finden schneller einen Parkplatz. Gleichzeitig wird dabei CO2 eingespart. Landesweit sind bereits 12 E-Bikes für die AWO Schleswig-Holstein unterwegs.
Starkes Immunsystem und Naturverbundenheit
Dithmarschen | Im Naturkindergarten Hedwigenkoog und im Waldkindergarten in Burg in Dithmarschen sind die Kinder den ganzen Tag draußen, erleben alle Jahreszeiten hautnah und beschäftigen sich auf ganz spielerische Weise mit der Natur und den Veränderungen. „Gleichzeitig profitieren die Kinder gesundheitlich, werden seltener krank bzw. erholen sich dank eines gestärkten Immunsystems schneller“, erklärt Jutta Märtin-Nöhring, die den Waldkindergarten seit 27 Jahren leitet. In Burg nehmen die Kinder auch wahr, dass es den Bäumen nicht gut geht, wenn es zu wenig regnet. „Dieses Bewusstsein für die eigene Umwelt wirkt nachhaltig“, weiß Märtin-Nöhring, „einige meiner ehemaligen Kindergartenkinder sind inzwischen selbst im Bereich Klimaschutz oder -bildung aktiv.“
Kleine Gärtner*innen entdecken Obst und Gemüse
Im Hedwigenkoog sind die Kinder oft auf dem Deich unterwegs und bauen auf einem kleinen Teil einer weitgehend naturbelassenen Fläche Obst und Gemüse an. Jedes Jahr ab Mitte April werden verschiedene Salate, Radieschen, Möhren, Kohlrabi, Kräuter u.ä. ausgesät und gepflegt. Ein Gärtner aus der Region bringt oft noch Gurken- oder Tomatenpflanzen, so dass die Kinder später viele verschiedene Gemüse probieren können. „Wir bauen auch Erdbeeren an und wenn die Kinder einen gekeimten Kirsch-, Apfel- oder Walnusskern finden, so dürfen sie den auch einpflanzen und schauen, was mit etwas Pflege daraus wird“, erklärt Veronika Knies, die den Naturkindergarten leitet. So konnten die letzten Schulkinder je ein selbstgezogenes Apfelbäumchen mit nach Hause nehmen.