AWO zum Internationalen Weltfrauentag

Frauenrechte vermehrt in Gefahr – Gewalt nimmt in Pandemie zu

Die Gründerin der AWO setzte sich schon vor über 100 Jahren verstärkt für Frauenrechte ein.

Kiel, 8. März 2022. Als erste Frau hielt Marie Juchacz, die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, im Jahr 1919 eine Rede in einem deutschen Parlament und setzte sich für Frauenrechte ein. Seither ist der Kampf für eine geschlechtergerechte Gesellschaft Teil der Geschichte der AWO Schleswig-Holstein. „In dieser langen Zeit ist zwar viel passiert – trotzdem sind die Forderungen nach einem selbstbestimmten, gewaltfreien und ökonomisch abgesicherten Leben sowie nach gleichberechtigter Teilhabe an der Gestaltung der Gesellschaft für alle Frauen auch heute nicht zufriedenstellend erreicht. Wir erleben vielmehr wieder eine rückwärtsgewandte Entwicklung“, sagt die stellv. Vorsitzende des AWO Präsidiums Gesa Langfeldt. Aus diesem Grund zeigt die AWO Schleswig-Holstein anlässlich des Internationalen Weltfrauentags landesweit Haltung: Mit einer Poster-Aktion „Kämpfen für Frauenrechte seit 1919“ und unter #Weltfrauentag erinnern die Einrichtungen und ehrenamtlich Engagierten an die wichtigen Ziele und an die AWO Gründerin als starkes Vorbild.

Ob mangelnde Lohngerechtigkeit, Gewalt, Diskriminierung oder die Selbstbestimmung über den eigenen Körper: Themen, die Frauen betreffen, werden in den vergangenen Jahren immer wieder gezielt politisch instrumentalisiert. „Durch ein Erstarken rechter Parteien und deren Antifeminismus sehen wir heute die Frauenrechte wieder vermehrt in Gefahr. Frauen sind in vielen Ländern noch heute vom öffentlichen Leben ausgeschlossen und sind immer wieder von massiver Gewalt bedroht. Viele Frauen werden gleich mehrfach diskriminiert, wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Das dürfen wir als moderne Gesellschaft nicht akzeptieren“, sagt Langfeldt.

Gewalt bleibt ein großes Problem

In Deutschland hat die Gewalt gegen Frauen laut der bundesweiten Kriminalstatistik in der Corona-Pandemie zugenommen. Jede Stunde werden durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt. Die Zahl der Fälle ist insgesamt um 4,9 Prozent angestiegen. Die Zahlen steigen seit dem Jahr 2015, die Dunkelziffer ist vermutlich höher. Seit Jahren müssen Frauenhäuser mehr Betroffene wegschicken, als sie aufnehmen können. Seit zwei Jahren sind die Frauenhäuser im Norden nahezu durchgängig voll belegt. Dass die Landesregierung Schleswig-Holstein sich jetzt einem Hochrisikomanagement für die betroffenen Frauen widmen will, begrüßt die AWO SH. Es ist ein erster Schritt hin zu mehr Sicherheit, Schutz von Frauen und einem besseren Austausch der Institutionen. Frauen, die von Gewalt betroffen sind, können sich an das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter 08000/116 016 wenden.

Aktionstag der AWO Schleswig-Holstein in Preetz und Plön

Anlässlich des Weltfrauentags kommt am 8. März der Marktweibertisch, eine Initiative aus AWO Vertreter*innen und Gleichstellungsbeauftragten in Preetz und Plön zusammen, um über weiterhin bestehende Missstände zu sprechen, die vor allem Frauen und Mädchen betreffen: Am 09. und 11. März treffen sich die Frauen aus dem Netzwerk auf den Märkten in Preetz und Plön von 10 bis 13 Uhr, bieten ihre politischen „Waren“ feil und gehen vor Ort in den Austausch. Die gesammelten Anregungen zu den Themen „Bildung“, „Sorgearbeit“, „Politik“, „Gewalt“ und „Erwerbstätigkeit“ werden durch die Gleichstellungsbeauftragte in die Politik gegeben.