Soziale Arbeit überwiegend weiblich und schlecht bezahlt

Equal-Pay-Day am 10. März 2021: AWO fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit — Beschäftigung im sozialen Bereich und Care-Arbeit dürfen nicht zum Armutsrisiko werden

Das Gender-Pay-Gap betrifft besonders die sozialen Berufe. Sie sind immer noch deutlich schlechter bezahlt als andere und überwiegend weibich besetzt.

Kiel, 9. März 2021. Soziale Arbeit ist überwiegend weiblich und schlecht bezahlt. In der Corona-Krise zeigt sich diese Ungerechtigkeit besonders scharf. Während Menschen für die Akteur*innen in den systemrelevanten Berufen anerkennend klatschen, sind es gerade diese Berufe, die in Deutschland sehr schlecht bezahlt und besonders häufig von Frauen ausgeübt werden. Der Frauenanteil in systemrelevanten Berufen liegt bei knapp 75 Prozent. Die AWO Schleswig-Holstein fordert anlässlich des Equal-Pay-Days am 10. März 2021 unter dem Motto "Game Changer – Mach dich stark für Equal Pay!" gleichen Lohn für gleiche Arbeit für alle und insgesamt eine verantwortungsvolle Lohnpolitik.

„Eine Beschäftigung in der Sozialen Arbeit oder Care-Arbeit darf kein Armutsrisiko für Frauen sein. Wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit für alle, aber auch die Anerkennung der Erziehungs- und Betreuungszeiten und anderer Care-Arbeiten. Das geschlechterspezifische Lohngefälle muss endlich flächendeckend überwunden werden“, sagt die stellvertretende Landesvorsitzende der AWO Schleswig-Holstein Gesa Langfeldt.

Bei Kindererziehung, Haushalt oder Pflege leisten Frauen in Deutschland durchschnittlich 52,8 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit im privaten Bereich als Männer. Dadurch sind Frauen langfristig deutlich armutsgefährdeter als Männer, vor allem im Alter. Heutzutage zählt jede*r Fünfte zu den atypisch Beschäftigten, die in Teilzeit mit 20 oder weniger Wochenstunden tätig sind, geringfügig oder befristet arbeiten oder nur einen Zeitvertrag haben. Dies trifft aufgrund der geleisteten Care-Arbeit überproportional häufig Frauen. Hinzu kommt das geschlechtsspezifische Lohngefälle, d.h. der prozentuale Anteil, den Frauen in Deutschland im Durchschnitt pro Arbeitsstunde weniger verdienen als Männer. Dieser lag in Deutschland 2020 bei 19% und damit deutlich über dem europäischen Durchschnittswert (16,2 %).

„Die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt: Die Leistungen in der Sozialen Arbeit müssen insgesamt durch angemessene Vergütung und höhere Personalschlüssel anerkannt werden. Ziel muss eine verantwortungsvolle Lohnpolitik aller sein, die der Spirale nach unten Einhalt gebietet und eine gesetzlich geregelte Refinanzierung auf Tariflohnniveau anstrebt“, betont Michael Selck, Vorstandsvorsitzender der AWO Schleswig-Holstein. Die AWO setze sich daher flächendeckend für Tarifverträge ein.

Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes hat im Jahr 2021 ergeben: hohe Infektionsrisiken in der Corona-Krise und Dauerbelastung betreffen mehrheitlich von Frauen ausgeübte Berufe, wie den Einzelhandel (80,8 Prozent Frauenanteil), die Altenpflege (84,2 Prozent Frauenanteil) oder die Bereiche Erziehung und Sozialarbeit (83,5 Prozent Frauenanteil).