Kreis finanziert Schutzwohnungen für Frauen in 2021

AWO Schleswig-Holstein betreut Wohnungsprojekt für von Gewalt betroffene oder bedrohte Frauen in Nordfriesland im Jahr 2021 weiter

Nordfriesland, 15. Februar 2021. Jeden dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres Partners. In Folge der Corona-Krise und dem damit verbundenen Lockdown ist langfristig mit einer Zunahme der Anzahl der Betroffenen zu rechnen. Daher begrüßt die AWO Schleswig-Holstein den Eilentscheid des Landrats für Nordfriesland, Florian Lorenzen, die Weiterfinanzierung der Schutzwohnungen für Frauen in Nordfriesland auch für das Jahr 2021 zu sichern. „So traurig es ist, aber auch in Nordfriesland gibt es den Bedarf für ein Frauenhaus. Wir hoffen auf Fördermittel des Landes. Bis dahin sind wir sehr froh, dass es gemeinsam mit der WohnEck gGmbH und der AWO gelungen ist, vier Wohnungen anzumieten und die psychosoziale Betreuung der schutzsuchenden Frauen und ihrer Kinder sicherzustellen“, sagt Landrat Lorenzen.

Im mittleren Nordfriesland sind im August letzten Jahres vier Wohnungen durch die WohnEck angemietet worden. „Wir freuen uns, dass dieses Projekt weiter verlängert wurde und wir durch die Anmietung der Wohnungen die Frauen unterstützen können“, sagt Olaf Henschen, Geschäftsführer der WohnEck NF gGmbH.

Betrieben werden die Schutzwohnungen durch die AWO Schleswig-Holstein gGmbH. „Es ist wichtig von Gewalt bedrohten oder betroffenen Frauen einen sicheren Ort zur Verfügung zu stellen. Wir freuen uns sehr, dass dieses wichtige Projekt auch dieses Jahr weiterfinanziert wird und dadurch auch Frauen in Nordfriesland Schutz geboten werden kann“, sagt Birgit Zimmer, Leiterin des AWO Teilhabezentrums. Im Kreis Nordfriesland gibt es bisher kein Frauenhaus. Deshalb mussten von Gewalt betroffene Frauen bisher mit ihren Kindern in Frauenhäuser außerhalb Nordfrieslands ausweichen.

Von den insgesamt vier Wohnungen dient eine Wohnung als Besprechungszimmer und Büro für die Mitarbeiterinnen. In den weiteren drei Wohnungen sind Schlafplätze für bis zu sieben Frauen mit ihren Kindern eingerichtet und ausgestattet. Der Ort ist weitestgehend geheim. Die Polizei vor Ort ist involviert, so dass jederzeit Schutz von dieser Seite gewährt werden kann. Den Frauen steht eine Rufbereitschaft von 10 bis 20 Uhr zur Verfügung. Alle Frauen bekommen bei Einzug eine Telefonliste mit Not-Nummern für einen Ernstfall.

Das Angebot wurde über unterschiedliche Wege Multiplikator*innen bekannt gemacht. Die Schutzwohnungen sind beim Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen, Ärzten, Kitas, Schulen, der Gleichstellungsbeauftragten, den Migrationsberatungen, der Frauenberatung&Notruf Nordfriesland, der KiK-Runde und vielen weiteren bekannt. Die Anfragen kommen vorwiegend über Multiplikator *innen aus Schleswig-Holstein. Im Dezember war das Haus für Wochen voll bewohnt. Seit dem 15. August 2020 wurden 44 Anfragen und Kontakte bearbeitet. 10 Kontakte führten zum Einzug, einige wurden weiter vermittelt an andere Beratungsstellen. Bei vier Kontaktanfragen wurde durch die betroffenen Frauen wieder abgesagt. Von den Anfragen kamen 27 über Multiplikator*innen. Im ersten halben Jahr fanden zehn Frauen mit insgesamt sieben Kindern Schutz in den Wohnungen, die von der AWO Schleswig-Holstein betrieben werden. Manche konnten nach zwei Wochen schon in eine andere Wohnsituation wechseln. Andere lebten bis zu 4 Monaten in den Schutzwohnungen.

Die Schutzwohnungen für von Gewalt betroffene Frauen sind auf Initiative des Kreises als Übergangslösung entstanden. Laut Kreistags-Beschluss aus dem Februar 2020 strebt der Kreis Nordfriesland die Planung eines eigenen Frauenhauses an. Darüber wurden auch schon Gespräche mit dem Land Schleswig-Holstein geführt. Dank der Weiterfinanzierung kann nun eine Teilzeitstelle als Sozialpädagogin ausgeschrieben werden, die das Team im fachlichen Unterstützungsangebot der Schutzwohnungen ergänzen soll.

Das Angebot der Schutzwohnungen ist täglich von 10 bis 20 Uhr unter Tel. 0174/ 310 7078 zu erreichen.