Pflege muss zu einer Gesellschaftsaufgabe werden!

Zum Tag der Pflege 2021: AWO Schleswig-Holstein fordert neue Konzepte für die Pflege, gesetzlichen Schutz für alte Menschen und Engagement gegen Fachkräftemangel

Kiel, 12. Mai 2021. Die Corona-Krise hat noch einmal gezeigt: Heute muss eine Pflegereform eine Gesellschaftsreform beinhalten. „Familienstrukturen haben sich über die vergangenen Jahre stark geändert und weder Angehörige noch Pflegefachkräfte können diese Herausforderung alleine meistern. Pflege muss zu einer Gesellschaftsaufgabe werden. Hierfür muss der ambulante aber auch stationäre Eigenanteil begrenzt werden. Außerdem muss zur Entlastung der pflegenden Angehörigen die Kurzzeitpflege gestärkt und ausgebaut werden“, sagt der AWO Präsidiumsvorsitzende Wolfgang Baasch.

Attraktivität von Pflegeberufen steigern

Die Pflegekräfte zählen während der Corona-Pandemie in der öffentlichen Wahrnehmung zu den Helden der Krise. Trotz dieser gestiegenen gesellschaftlichen Anerkennung gibt es aber keine nennenswerte Entschärfung des Fachkräftemangels. Vielmehr droht ein Abwandern von Pflegekräften in andere Bereiche. „Die Gesellschaft muss endlich zur finanziellen Anerkennung der Pflegearbeit kommen. Wir brauchen bessere Personalschlüssel, branchenweit tarifgerechte Bezahlung und die Aufwertung des Berufsfelds. Den Fachkräftemangel können wir langfristig nur durch attraktive Bedingungen beheben“, sagt der AWO Vorstandsvorsitzende Michael Selck.

Schutz der alten Menschen gesetzlich verankern

Am Tag der Pflege 2021 wird zusätzlich deutlich, dass dies nicht die einzige Aufgabe für die Zukunft ist: Etwa 15 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich einsam. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass Menschen, die ohne Unterstützung nicht mehr in der Lage sind alle Bereiche ihres Lebens eigenverantwortlich zu gestalten, am stärksten eingeschränkt wurden und stark unter Einsamkeit litten. Besonders ältere Menschen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen waren davon betroffen. „Daher fordern wir die Einführung eines Gesetzes, das den Schutz alter Menschen in unserer Gesellschaft langfristig regelt. Zudem müssen neue Wohn- und Lebensformen neben der ambulanten und der Kurzzeitpflege gefördert werden, um Alternativen für das selbstbestimmte Leben im Alter zu ermöglichen. Wir müssen raus aus den starren Strukturen“, betont der AWO Vorstandsvorsitzende Michael Selck.

Die AWO fördert in ihren Einrichtungen eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im Alter und setzt sich auch in ihren Einrichtungen für mehr Selbstbestimmung und Teilhabe ein. „Teilhabe ist ein sehr gutes Mittel gegen Einsamkeit. Wer im Alter noch gebraucht wird, sich ehrenamtlich engagieren oder an Angeboten für Ältere teilnehmen kann, ist selten allein und automatisch in ein gesellschaftliches Umfeld eingebettet“, sagt Baasch.