AWO zum Internationalen Weltfrauentag

Frauenrechte in Gefahr – Gewalt bleibt ein großes Problem

Kiel, 8. März 2021. Ob mangelnde Lohngerechtigkeit, Gewalt, Diskriminierung oder die Selbstbestimmung über den eigenen Körper, Themen die Frauen betreffen, werden in den vergangenen Jahren immer wieder gezielt politisch instrumentalisiert. „Durch ein Erstarken rechter Parteien und deren Antifeminismus sehen wir heute die Frauenrechte wieder vermehrt in Gefahr. Frauen sind in vielen Ländern noch heute vom öffentlichen Leben ausgeschlossen und sind immer wieder von massiver Gewalt bedroht. Viele Frauen werden gleich mehrfach diskriminiert, wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Das dürfen wir als moderne Gesellschaft nicht akzeptieren“, sagt die stellv. Vorsitzende des AWO Präsidiums Gesa Langfeldt.

Als erste Frau hielt Marie Juchacz, die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, im Jahr 1919 eine Rede in einem deutschen Parlament und setzte sich für Frauenrechte ein. Seither ist der Kampf für eine geschlechtergerechte Gesellschaft Teil der Geschichte der AWO. „In dieser langen Zeit ist zwar viel passiert – trotzdem sind die Forderungen nach einem selbstbestimmten, gewaltfreien und ökonomisch abgesicherten Leben sowie nach gleichberechtigter Teilhabe an der Gestaltung der Gesellschaft für alle Frauen auch heute nicht zufriedenstellend erreicht. Wir erleben vielmehr wieder eine rückwärtsgewandte Entwicklung. Zum Internationalen Weltfrauentag zeigt sich, bereits erkämpfte Rechte sind keine Selbstverständlichkeit“, sagt Langfeldt.

Gewalt bleibt ein großes Problem

Deutschland hat das Übereinkommen des Europarats zur sogenannten Istanbul-Konvention ratifiziert. Damit ist sie seit 2018 rechtlich bindend. Sie verfolgt die Ziele, einen umfassenden Ansatz zur Bekämpfung jedweder Form von geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung zu gewährleisten, die zu körperlichen, sexuellen, psychischen oder wirtschaftlichen Schäden oder Leiden bei Frauen führen. Dennoch wurden 2019 über 141.000 Menschen in Deutschland Opfer sogenannter Partnerschaftsgewalt (Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking, psychische Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution), darunter über 81 Prozent Frauen. Im Jahr 2019 ist statistisch betrachtet an fast jedem dritten Tag eine Frau durch die Tat ihres Partners oder Ex-Partners gestorben. Umgerechnet alle 45 Minuten wird eine Frau durch ihren Partner verletzt oder angegriffen. Die Zahlen steigen seit 2015. Seit Jahren müssen Frauenhäuser mehr Betroffene wegschicken, als sie aufnehmen können. Seit zwei Jahren sind die Frauenhäuser im Norden nahezu durchgängig voll belegt. Das journalistische Recherchenetzwerk Correctiv.org hat bei einer bundesweiten Datenauswertung festgestellt, dass mit den Stadtstaaten Berlin und Bremen nur zwei Bundesländer die Quotenanforderungen des Europarats (1 Frauenhausplatz pro 7500 Einwohnerinnen) erfüllen. Schleswig-Holstein ist mit 0,94 Plätzen nur dicht an diesem Ziel.

*Frauen, die von Gewalt betroffen sind, können sich an das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter 08000/116 016 wenden.
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