AWO SH veröffentlicht Forderungspapier zur Corona-Pandemie

Krise zeigt Systemrelevanz der Sozialen Arbeit – ein Infektionsschutzgesetz muss soziale Folgen innerhalb der Gesellschaft berücksichtigen

Kiel. Die zuverlässige Versorgung von Senior*innen in Pflegeeinrichtungen, die Notbetreuungen in Kindertagesstätten oder spontane Nachbarschaftshilfen haben in der Pandemie gezeigt: die Freie Wohlfahrtspflege und ihre Ehren- und Hauptamtler leisten in der Corona-Krise einen großen Beitrag für den Zusammenhalt der Gesellschaft. „Wie unter einem Brennglas zeigt die Corona-Krise, welche Bereiche für ein funktionierendes Miteinander unverzichtbar sind. Mit dem Forderungspapier wollen wir einerseits den Blick auf diese Bereiche lenken, aber auch deutlich machen, wer am härtesten von der Krise betroffen ist. Hierfür haben wir unseren Fokus auf die Soziale Arbeit im Gesamten, aber auch auf Gruppen, die besonders von der Krise betroffen sind, gesetzt. Dazu zählen Kinder und Jugendliche, Pfleger*innen, Obdachlose, Menschen mit Behinderung, Familien, Alleinerziehende und prekär Beschäftigte. Für jeden Bereich haben wir klare Forderungen an die Politik formuliert“, sagt AWO Präsidiumsvorsitzender Wolfgang Baasch.

Die Corona-Pandemie bietet eine Chance, Ungleichheiten aufzudecken und zu beheben. Die AWO fordert, dass ein Infektionsschutzgesetz grundsätzlich auch die sozialen Folgen einer Pandemie berücksichtigen und Begleitmaßnahmen vorsehen muss. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Rettungsschirm für die sozialen Folgen einer Pandemie. Bei künftigen Krisen müssen einschneidende Benachteiligungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen unbedingt verhindert werden. Die Gesellschaft muss viel besser vorbereitet werden“, sagt Baasch weiter.

Auch der AWO Vorstandsvorsitzende Michael Selck betont: „In einer solchen Krise brauchen wir Handlungssicherheit für die Menschen in der Sozialen Arbeit. Der Druck auf Pädagog*innen oder Pfleger*innen war und bleibt während der Pandemie teilweise enorm, wobei gerade sie gleichzeitig ihre Gesundheit riskierten. Die Bereiche der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe stehen dabei gar nicht im Fokus, obwohl auch hier enorme Leistungen erbracht werden. Zudem muss auch in einer Krise Geschlechtergerechtigkeit gelten. Überwiegend Frauen sind von den Herausforderungen in der Corona-Pandemie doppelt betroffen.“

Aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein ist es notwendig, die Strukturen des Sozialstaats auf die Zukunft auszurichten und anzuerkennen, dass auch Arbeitskräfte in den sozialen Berufen das Rückgrat der Gesellschaft sind, die krisenunabhängig Verantwortung und Sorge für andere tragen. Soziale Arbeit ist zutiefst systemrelevant und muss als solche sichtbar gemacht werden.