Reiches Land – Arme Frauen!
Marie-Juchacz-Empfang mit Schwerpunkt auf struktureller Benachteiligung von Frauen
Die AWO Schleswig-Holstein setzt bei ihrem alljährlichen Marie-Juchacz-Empfang zu Ehren der AWO-Gründerin Schwerpunkte, die besonders für Frauen relevant sind. In diesem Jahr konnte Claudia Mandrysch, Vorständin des AWO Bundesverbandes, als Rednerin gewonnen werden. In Ihrem Vortrag „Reiches Land – Arme Frauen. Was gegen strukturelle Benachteiligung von Frauen getan werden muss“ erläuterte sie die Position der AWO zu diesem Thema: „Die strukturelle Benachteiligung von Frauen ist kein individuelles Problem, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung – eine von Menschen geschaffene Ungleichheit. Das gilt es zu verstehen – denn erst dann werden wir uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass Frauenrechte nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern aktiv als Menschrechte durchgesetzt und gelebt werden.“
In seiner Begrüßungsrede nahm Wolfgang Baasch, Vorsitzender des Präsidiums der Arbeiterwohlfahrt Landesverband Schleswig-Holstein e. V. außerdem Bezug auf die Ergebnisse der Bundestagswahlwahl und rief dazu auf, die bisherigen Fortschritte für Demokratie und Geschlechtergleichberechtigung entschlossen zu verteidigen: „Wir müssen uns die Menschen zurückerobern, die der Demokratie abhandengekommen sind. Wir müssen ihnen zuhören, wir müssen uns ihnen erklären und wir müssen sie wieder verstehen“, sagte er. Der AWO Landesverband bietet dafür zum Beispiel landesweit an unterschiedlichen Orten den Workshop „Stammtischparolen Paroli bieten“ an.
Der Einladung des AWO Landesverbandes Schleswig-Holstein e. V. nach Neumünster folgten 130 Gäste aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Die Namensgeberin des AWO Jahresempfangs ist Marie Juchacz, geboren am 15. März 1879, sie gründete vor 106 Jahren die Arbeiterwohlfahrt. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit einem für Frauen relevanten Thema stellt die Verleihung der höchsten Auszeichnung der Arbeiterwohlfahrt Landesverband Schleswig-Holstein e. V. einen weiteren Programmhöhepunkt dar.
Gertrud-Völcker-Medaille: Ehrung des Ehrenamtes
Mit der Gertrud-Völcker-Medaille würdigt die Arbeiterwohlfahrt Landesverband Schleswig-Holstein e. V. ehrenamtlich Engagierte, die sich herausragend für die Menschen und die Arbeiterwohlfahrt verdient gemacht haben. Gertrud Völcker war in Schleswig-Holstein maßgeblich für die Wiedergründung der Arbeiterwohlfahrt nach dem 2. Weltkrieg verantwortlich und prägte die ersten Jahre als Landesvorsitzende. Neben Marie Juchacz gehört sie in die Reihe der starken Frauenpersönlichkeiten, die die Entwicklung der Arbeiterwohlfahrt seit der Gründung 1919 kraftvoll vorantreiben.
In diesem Jahr erhielt Klaus Eckstein, AWO Ortsverein Kellenhusen, die Gertrud-Völcker-Medaille verliehen. Von 2008 bis 2022 hat er Ämter, darunter jeweils den Vorsitz des AWO Kreisverbands Ostholstein und des Ortsvereins Kellenhusen, ausgeübt. Sein besonderes Verdienst war es als Kreisvorsitzender, in einer anspruchsvollen Situation mit dem Kreisvorsitz gleichzeitig ebenfalls im Ehrenamt Personalverantwortung zu übernehmen. Damit hat er das für die Senior*innen wichtige Angebot „Essen auf Rädern“ gesichert und ausgebaut. Als vor rund zehn Jahren vor allem aus Syrien und Afghanistan sehr viele Asylsuchende in den Gemeinden versorgt werden mussten, organisierte Klaus Eckstein mit Herz und Verstand den ehrenamtlichen Beitrag der AWO im Kreis Ostholstein. In der Ausnahmesituation mit Lockdowns und Impfzentren während der Corona-Pandemie sorgte er als AWO Vorsitzender in Kellenhusen für einen Fahrservice und Terminbuchungen sowie Kooperationen mit dem lokalen Nahversorger und einem Restaurant. So waren die Versorgung mit Lebensmitteln, warmen Mahlzeiten und Fahrten zu Impfterminen auch für benachteiligte Bevölkerungsgruppen wie alleinstehende Senior*innen oder von Armut betroffene Familien gewährleistet.