Dienstag, 28 Mai 2019 10:39

AWO Projekt „Friedensweg“ blickt auf erfolgreiche Jahre

Psychosoziale Beratung für Geflüchtete in der Gemeinschaftsunterkunft in Flensburg – Bedarf trotz Projektende immer noch groß

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Flensburg. Krieg, der Verlust von Familienangehörigen und lebensbedrohliche Fluchtszenarien: Nach einer Flucht kämpfen Geflüchtete oft lange mit traumatischen Erfahrungen und Erinnerungen. Unterstützung und psychosoziale Beratung bot seit Juni 2016 das AWO Projekt „Friedensweg“ in Flensburg. Mit Mitteln des Deutschen Hilfswerks und der Fernsehlotterie wurde „Friedensweg“ durch AWO Interkulturell in Flensburg und Leck für drei Jahre in der Gemeinschaftsunterkunft am Friedensweg angeboten. Im Mai 2019 endet das erfolgreiche Projekt.

Der Auftrag war eine niedrigschwellige psychologische Beratungsstelle für geflüchtete Menschen mit schweren psychischen Belastungen mit und ohne sicheren Aufenthaltsstatus sowie ihre Angehörigen zu bieten. Es ging in erster Linie um Entlastung, Stabilisierung, Ressourcenaktivierung, Resilienzförderung, Vernetzung mit Therapeuten, Ambulanzen, Kliniken und um Verweisberatung und Anbindung an Dialogpartner.

Beratung von 200 Menschen aus 20 Ländern
Ein Team aus zwei hauptamtlichen Beraterinnen, zwei Sprach-und Kulturmittlern afghanischer und arabischer Herkunft ergänzt und unterstützt durch zwei Psychotherapeuten und projektbezogen andere Honorarkräfte und Ehrenamtliche konnten in dieser Zeit über 200 Menschen aus 20 verschiedenen Ländern im Alter von 4 bis 74 Jahren beraten und begleiteten. Alle Beteiligten schauen zurück auf eine Zeit intensiver, vertrauensvoller Begegnungen und Begleitungen und umfangreicher Vernetzungen von und mit Klient*innen und Akteur*innen in der flüchtlingssolidarischen Arbeit.
"Die psychische Gesundheit der zu uns geflüchteten Menschen ist elementar für eine gelingende Integration. Wir danken der AWO Interkulturell und damit insbesondere den Mitarbeiterinnen des Projekts für ihre engagierte, sinnvolle und wirksame Arbeit, die sie für die Menschen hier in Flensburg geleistet haben. Ich bedauere, dass dieses Projekt nun endet. Das Thema ist nach wie vor aktuell und wird in der Stadtverwaltung sehr ernst genommen", stellt die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange fest.

Bedarf bleibt groß
In den Abschlussgesprächen der Projektbeteiligten zeigte sich, dass eine niedrigschwellige und umfassende psychosoziale Beratung Orientierung, Halt und Perspektive gibt. Letztere sind unerlässlich für den Integrations- und Individuationsprozess jedes Einzelnen. „Wir hoffen, dass es in Zukunft wieder ähnliche Projekte geben wird. Der Bedarf ist immer noch groß“, sagt Claudia Lux, Regionalleiterin von AWO Interkulturell. Ein langfristiges Ziel könnte ein psychosoziales Zentrum für Menschen mit Migrationshintergrund in Flensburg sein, in dem interdisziplinär, multimodal und kultursensibel im obigen Sinne gearbeitet werden kann. Das Team bedankt sich bei Klient*innen und Netzwerkpartner*innen für das Vertrauen und Engagement!

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