Donnerstag, 13 Dezember 2018 14:21

Lensahns erste Demokratie-Kita erhält Zertifikat

 Zertifikatsubergabe1Die Leiterin des AWO Kindergartens "Kunterbunt" Christin Paulsen mit den Kindern des Kita-Parlaments (v.li.) Maximilian, Chayenne, Felix und Leon. (Foto: Kathrin Mansfeld)

Feierliche Übergabe im AWO Kindergarten „Kunterbunt“

Lensahn. Gibt es Pommes oder Salat zum Mittagessen? Sollen die Eltern beim Ausflug dabei sein? Und welches Spielzeug wollen wir haben? Bei solchen Fragen entscheiden die Kinder im AWO Kindergarten „Kunterbunt“ in Lensahn mit. Im Rahmen des bundesweit einmaligen Partizipationsprojekts der AWO Schleswig-Holstein wurde die Kita als Demokratie-Kita zertifiziert.

Insgesamt ist es bereits die zehnte AWO-Kindertagesstätte in Schleswig-Holstein, die ein solches Zertifikat vom Institut für Partizipation und Bildung erhält – in Lensahn ist es die erste. Die Leiterin der AWO Kindertagesbetreuung Gesa Kitschke eröffnete am Donnerstag gemeinsam mit Christin Paulsen, der Leiterin der Einrichtung, die feierliche Zertifikatsübergabe in den Räumlichkeiten in der Lübecker Straße. Der Kindergarten „Kunterbunt“ eröffnete im August 2003 zum ersten Mal seine Türen und betreut heute in zwei Gruppen 44 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren.Zertifikatsubergabe2

„Das Beste, was uns als Gesellschaft passieren kann“

„Partizipation und Teilhabegerechtigkeit sind Markenzeichen der AWO - es war somit ein konsequenter und in sich logischer Schritt, dass wir bundesweit der erste Träger sind, der alle seine Kitas zertifizieren lässt. Damit leistet die AWO ihren Beitrag, Demokratie, Teilhabe und Chancengleichheit bereits den Jüngsten weiterzugeben und zu vermitteln. Schließlich wollen wir starke und mündige Kinder. Das ist das Beste, was uns als Gesellschaft passieren kann“, sagt AWO Landesgeschäftsführer Michael Selck.


Auf dem Weg einer Verankerung von Demokratie im pädagogischen Alltag lernen Mitarbeiter*innen der Demokratie-Kitas, wie man Kinder beispielsweise bei der Raumgestaltung oder bei der Planung eines Sommerfestes beteiligen kann. Um diese Rechte von Kindern auch nachhaltig zu sichern, erarbeiten die Teams eine Kita-Verfassung, in der sie Kinderrechte und Gremien, die es in dieser Kita geben soll, konkret festschreiben. Außerdem gibt es ein Kita-Parlament, in dem sich die in das Parlament gewählten Kita-Kinder über aktuelle Anliegen austauschen, beraten und abstimmen (z. B. aktuelle Ausflüge, Sommerfeste, Gestaltung der Kita, neues Spielzeug uvm.).

Ein Planschbecken zur Weihnachtsfeier

Dabei haben die Beschlüsse es manchmal auch in sich. Der letzte Beschluss des Kitaparlaments lässt zumindest auch hartgesottene Winterfreunde zunächst frösteln. Die Kinder des Kindergartens „Kunterbunt“ wünschen sich ein Planschbecken für die noch ausstehende Weihnachtsfeier - mit Wasser gefüllt und draußen. „Die Kinder merken, dass sie durch das Kinderparlament etwas bestimmen und bewirken können. Demokratie heißt eben auch, Verantwortung zu übernehmen und zu tragen. Die Kinder sollen außerdem lernen, welche Konsequenzen ihre Entscheidungen haben. Das ist auch die Idee bei dem Planschbecken während der Weihnachtsfeier. Die Kinder werden vermutlich schnell feststellen, dass es viel zu kalt dafür ist und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen“, sagt Einrichtungsleiterin Christin Paulsen. Auch die Elternvertreter haben der Idee des Planschbeckens zugestimmt.

Bei der Überreichung des Zertifikats betonen die/ der Vertreter*in des schleswig-holsteinischen Sozialministeriums, Katharina Voß und Martin Vollack: „Schleswig-Holstein gilt in Sachen Beteiligung bundesweit als Vorreiter. Die Demokratie-Kitas der AWO Schleswig-Holstein übernehmen dabei eine wichtige Rolle."

Zertifkatsubergabe3Weitere Demokratie-Kitas folgen

Ausgangspunkt für die „Demokratie-Kita“ sind die hohen Qualitätsstandards für die Beteiligung von Kindern in Kindertagesstätten, die auf der Grundlage der Gesetzgebung (u.a. UN- Kinderrechtskonvention, Kinder- und Jugendhilfegesetz) vom Institut für Partizipa

tion und Bildung (Kiel) im Rahmen des Konzeptes „Die Kinderstube der Demokratie“ in Schleswig-Holstein entwickelt wurden. Um das Konzept in die Breite der Kindertagesstätten zu bringen, wurden seit 2006 pädagogische Fachkräfte als Multiplikator*innen für Partizipation in Kitas ausgebildet. Nur so konnte das Verfahren innerhalb eines großen Trägers auch eingeführt werden. Die partizipative Ausrichtung, wie sie in den Kitas der AWO praktiziert wird, beschreibt das Verhältnis zwischen Kindern und Fachkräften neu, ohne dabei die Profile der Kitas wie Bewegungskindergarten oder Sprach-Kitas in Frage zu stellen.


Mit der Zertifizierung leistet die AWO auch einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Kinderschutzes in Schleswig-Holsteinischen Kitas, denn der Gesetzgeber erwartet seit 2012 Beteiligung und Beschwerderechte in den Kitas für alle Kinder verbindlich zu verankern. Zertifizierte „Demokratie-Kitas“ gibt es von der AWO Schleswig-Holstein bisher in Pinneberg, Bovenau, Lübeck, Wentorf, Uetersen, Husum, Neumünster, Lauenburg und Halstenbek. Bis 2020 werden alle Kindertagesstätten der AWO Schleswig-Holstein als Demokratie-Kita nach dem Konzept „Die Kinderstube der Demokratie“ des Instituts für Partizipation und Bildung in Kiel (IPB) anerkannt sein.

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