Freitag, 12 Januar 2018 11:34

Ich hab noch viel zu erzählen! Von Gespenstern und Lebensgeistern der Kriegskindergeneration

16.1.- 26.1.2018 Ausstellung von persönlichen “Erinnerungskisten“ im Foyer der AWO Landesgeschäftsstelle, Sibeliusweg 4, 24109 Kiel

Viele der Menschen, die jetzt pflegebedürftig sind oder werden, gehören der Generation der sogenannten „Kriegskinder“ an, geboren in den 20er und 30er Jahren, aufgewachsen im Krieg und konfrontiert mit oft lebensbedrohlichen Erlebnissen. Erinnerungen an Flucht und Bombennächte, an Verlust und Vertreibung, aber ebenso an das erste Lachen nach dem Krieg, das Gefühl, wieder in Sicherheit zu sein, oder die Erkenntnis, in Schleswig- Holstein eine neue Heimat gefunden zu haben, prägen auch heute noch ihre Erzählungen. Nicht alle Menschen haben traumatisierende Erfahrungen gemacht, aber alle haben in Zeiten gelebt, die besondere Anforderungen an das Leben und auch das Zusammenleben gestellt haben.

Erinnerungskiste 1 klein Erinnerungskiste Semjonowitch klein

Was haben Kriegserinnerungen mit der Pflege zu tun?

Die Kriegskinder kommen jetzt in das Alter, in dem sie auf Unterstützung und Hilfe angewiesen sind. Die täglichen Erfahrungen in der Pflege zeigen, dass die Erlebnisse, die Erinnerungen sich nicht einfach ausblenden lassen. Was in den Zeiten des „Ärmel-Hochkrempelns“ nicht aufgearbeitet wurde, findet im Alter immer öfter den Weg zurück ins Bewusstsein. Gerade bei den Menschen, die zunehmend unter einer Demenz leiden oder auch bei denjenigen, die Verluste zu verkraften haben oder selbst im Sterben liegen, verdichten sich die häufig nicht aufgearbeiteten Erlebnisse zu oft sehr schmerzhaften Erfahrungen. Unter dem Titel: „Embracing history – Geschichte leben“ und mit Unterstützung von vielen Kooperations- partner*innen hat die AWO Pflege in den letzten Jahren die sogenannten Kriegskinder, die Menschen, die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs geboren oder aufgewachsen sind, eingeladen, ihre Geschichten den nachkommenden Generationen zu erzählen. Begleitet von Künstlerinnen des Bundesverbandes Bildender Künstler (BBK) haben die Erinnerungen auf unterschiedliche Art und Weise Gestalt angenommen.

10 künstlerisch gestaltete Erinnerungskisten veranschaulichen sowohl das Leid als auch die Momente von älteren Menschen während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Eindrucksvoll dokumentieren und vermitteln sie lebens- geschichtliche Erfahrungen. Thematisiert werden dabei individuelles
Glück und Leid ebenso wie die Leistungen und Anstrengungen der Menschen. So werden diese Erinnerungskisten zu einer wichtigen und hoch- interessanten Form der Begegnung und der Kommunikation.


Die AWO Pflege ist ein Unternehmensbereich der AWO Schleswig-Holstein gGmbH. Rund 1.500 MitarbeiterInnen pflegen, beraten und begleiten alte und pflegebedürftige Menschen an mehr als 40 Standorten in Schleswig- Holstein: in ambulanten Pflegediensten, Servicehäusern und Hausgemeinschaften, in Einrichtungen der WOHNpflege, mit Angeboten zur Urlaubs-, Tages- und Kurzzeitpflege und dem Sozialruf. Sie helfen bei den
alltäglichen Verrichtungen, unterstützen, wenn Fähigkeiten eingeschränkt sind, und sorgen für Selbständigkeit, wo das Leben durch Krankheit und Alter beeinträchtigt ist. Gemeinsam mit mehr als 17.000 AWO-Mitgliedern in Schleswig-Holstein engagieren sie sich für eine sozial gerechte Gesellschaft. Im Internet unter www.awo-pflege-sh.de und bei Facebook unter facebook.com/awopflegesh.