Psychische Belastung mindert Integrationschancen

AWO Schleswig-Holstein bietet psychologische Beratungsstelle für Geflüchtete

Flensburg. Schätzungen zufolge sind 30 bis 40 Prozent der in den vergangenen eineinhalb Jahren nach Deutschland geflüchteten Menschen traumatisiert. Für Schleswig-Holstein bedeutet das rund 17.000 Personen. "Menschen, die den gewaltsamen Tod eines Angehörigen, eigene Gewalterfahrungen oder Kriegserlebnisse zu verkraften haben", sagt AWO-Landesvorsitzender Wolfgang Baasch, "brauchen dringend psychologische Betreuung." Weil die bundesweit rund 30 psychosozialen Behandlungszentren nur etwa 15 Prozent des derzeitigen Bedarfs abdecken können, bietet die AWO seit Anfang Juni eine Beratungsstelle in Flensburg. Weitere Standorte in Kiel und Norderstedt  sind geplant.

Soziale und psychologische Angebote ergänzen sich
Integration ist oft ein langer, schwieriger Weg. Traumatische Erlebnisse, migrationsbedingte Belastungen wie soziale Isolierung oder Diskriminierung, eine langfristig ungewisse Zukunft, familiäre Belastungen durch kranke Angehörige oder eigene psychische Krankheiten können Integration für bestimmte Personen schlicht unmöglich machen. "In den Unterkünften erleben wir jetzt, da für alle eine gewisse Routine eingekehrt ist, dass einige Geflüchtete mit diesem psychischen Druck nicht alleine fertig werden", sagt AWO-Geschäftsführer Michael Selck. "Unser Angebot kommt zum richtigen Zeitpunkt, um den Menschen wieder Energie für Sprachkurse und andere Integrationsangebote zu geben."

Psychosoziale Unterstützung auch für Kinder
Die AWO-Beratungsstelle in Flensburg bietet Unterstützung und Orientierung. "Sie ist kein Ersatz für eine professionelle traumatherapeutische Behandlung", sagt Vera Hintz, eine der beiden Projektleiterinnen, "aber sie überbrückt die Wartezeit auf einen Therapieplatz und bietet Gruppen- und Einzeltrainingsangebote zur Erhaltung oder Wiederherstellung psychischer Gesundheit." Auch für seelisch belastete Kinder wird es ab Mitte September in Flensburg eine psychosoziale Unterstützung geben. In Kleingruppen können die Kinder lernen, ihre eigenen Gefühle auszudrücken, die eigenen Stärken zu nutzen und ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern. In den kommenden drei Jahren, in denen das Projekt zur Gänze vom Deutschen Hilfswerk finanziert wird, können rund 200 Menschen beraten und unterstützt werden. Die Vernetzung mit weiteren Angeboten der AWO wie Integrations- oder Sprachkurse ist geplant. An dem gleichen Standort in Flensburg werden auch 500 Flüchtlinge von der AWO betreut.

Ansprechpartnerinnen: Vera Hinz, Tel. 0151  54 14 67 57, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Felicia Elsler, Tel. 0151  54 14 64 77, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
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