Ist das Rassismus? – Ja! Nein! Vielleicht?

Aktion auf dem Koberg in Lübeck war ein voller Erfolg
 
Von Daniela Kost (RBT Lübeck, AWO Landesverband SH e.V.)
 
Am 23. März fand auf dem Koberg in der Lübecker Altstadt eine Aktion des Integrationscenter Lübeck im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus (12.-25.März) statt. Unter der Fragestellung "Ist das Rassismus" kamen rund 70 Personen miteinander und mit uns ins Gespräch und haben sich mit alltäglichen rassistischen Aussagen und Situationen auseinandergesetzt. Zum Abschluss der Aktion stiegen 35 Luftballons mit persönlichen Statements gegen Rassismus in den Himmel.

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Am Freitag, 23.3., haben sich insgesamt 70 Personen an einer Aktion des IC Lübeck beteiligt, die im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus stattfand. Mit einem Infostand auf dem Koberg in der Lübecker Altstadt haben die AWO-Mitarbeiter*innen des IC Lübeck über die rassistischen Hintergründe alltäglicher Situationen und Aussagen informiert. "Ich finde es wichtig, dass es solche Aktionen gibt. Da ist leider echt noch eine Menge zu tun", sagte ein Passant.

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Ziel der Mitarbeiter*innen des AWO Landesverbandes in den Bereichen Migrationsberatung, Sprach- und Integrationskurse, Gesundheitsprävention von Migrant*innen für Migrant*innen sowie Beratung gegen Rechtsextremismus war, Menschen dazu anzuregen, über Fragen wie zum Beispiel "Ist es rassistisch, wenn mit Kindern ‚Wer hat Angst vor’m Schwarzen Mann‘ gespielt wird" nachzudenken und sich zu positionieren. Dafür wurde eine Bodenzeitung vorbereitet, auf der jede Person ihre eigene Einschätzung in den Kategorien "Ja! Nein! Vielleicht?" markieren konnte.

In den Diskussionen mit den Teilnehmenden zeigte sich, dass es gar nicht so leicht fällt, einfache Antworten auf die Fragen zu finden. Während einerseits Aussagen dabei waren, bei denen es keine Zweifel an der rassistischen Konnotation gibt, gab es bei anderen Aussagen Diskussionsbedarf. So waren auch Situationen beschrieben, die je nach Rahmenbedingungen unterschiedlich bewertet werden können. Das Zurückziehen eines Wohnungsangebots beispielsweise kann sowohl heißen, dass die Wohnung tatsächlich schon vermietet wurde. Wenn jedoch nur "Nicht-Deutsche" oder Menschen mit Akzent oder "ausländischem" Namen erzählt bekommen, die Wohnung sei vergeben, eine "Deutsche" jedoch zur Besichtigung eingeladen wird, handelt es sich um eine rassistische Diskriminierung.

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"Die Aktion war auf jeden Fall erfolgreich" freut sich Sarah Bröker aus der Migrationsberatung und Einrichtungsleitung des IC Lübeck. "Unsere Infoflyer wurden gut angenommen und ich glaube schon, dass wir einige Personen für die weniger deutlich sichtbaren Formen von Rassismus sensibilisieren konnten." So äußerten sich verschiedene Menschen, dass die Perspektive der von Rassismus Betroffenen eine ist, die sie selbst noch nicht bedacht haben. Im Laufe der zweistündigen Aktion wurden Luftballons und Karten verteilt. Die Menschen auf und um den Koberg hatten die Möglichkeit, auf diesen Karten festzuhalten, warum sie gegen Rassismus sind. Nicht nur Kinder waren von den Luftballons begeistert, die Aktion fand auch bei den Erwachsenen Anklang. Gemeinsam konnten zahlreiche Gründe gegen Rassismus in der Gesellschaft zusammengetragen werden, die von einer Gleichwertigkeit von Menschen bis hin zu der Tatsache reichten, dass Rassismus Menschen in ihrem Alltag begleitet und ihnen Angst macht. Da sich die meisten der Beteiligten in ihrer Mittagspause für die Aktion Zeit genommen haben und auf Grund der Temperaturen haben die Mitarbeiter*innnen des IC Lübeck um 13 Uhr die Luftballons mit den beschrifteten Statements stellvertretend für alle Beteiligten in die Luft steigen lassen.

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