Marie-Juchacz-Empfang: AWO Schleswig-Holstein verleiht erstmals Gertrud Völcker Verdienstmedaille in Neumünster

Zum 139. Geburtstag der AWO-Gründerin: Liselotte Mehlert, Hans-Heinrich Itzke und Peter Perthun für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet

Als Gründerin der AWO, Pionierin für Frauenrechte, Sozialreformerin und Mitglied der Weimarer Nationalversammlung trat Marie Juchacz als erste Frau in einem deutschen Parlament ans Rednerpult. Sogar in den USA hat Marie Juchacz die Idee der "Selbsthilfe der Arbeiterschaft" nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten verwirklicht. Zu Ehren der AWO-Gründerin richtete die AWO Schleswig-Holstein am 15.03.2018, an Juchacz’ 139. Geburtstag, zum zweiten Mal den Marie-Juchacz-Empfang im Alten Stahlwerk in Neumünster aus.

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Bild 1: (v.l.) Wolfgang Baasch (AWO-Landesvorsitzender), Sonja Jacobsen (stell. Landesvorsitzende), Peter Perthun, Liselotte Mehlert, Hans-Heinrich Itzke (alle drei Medaillen-Träger), Hannelore Fojut (Ehrenvorsitzende) und Kai Bellstedt (stell. Landesvorsitzender).
Foto: Mona Taube


Gewidmet war der Abend allen starken Frauen und deren Engagement bei der AWO.
"Viele starke Frauen haben die Geschichte der AWO geprägt und prägen sie auch heute noch", sagt AWO Landesvorsitzender Wolfgang Baasch. In diesem Sinne werden die Fachvorträge bei dem Empfang von Frauen gehalten: Beim heutigen zweiten Marie-Juchacz-Empfang hält Frau Dr. Stefanie Elies, Leiterin des Referats Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung, ihren Vortrag zum Thema "Noch ein Gender Gap? - Frauen engagieren sich anders!" und stellt hierbei die Frage, wie das Engagement von Frauen gestärkt werden kann.

Junge Frauen für Beteiligung gewinnen

In ihrer Position ist Frau Elies zuständig für die Zentrale Genderkoordinierung der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Junge Frauen haben ein großes Potenzial für Engagement. Aber die Rituale, die mit einer formalen Mitgliedschaft in einer Organisation oder Partei verbunden sind, schrecken sie oft ab. Je offener, unkonventioneller und vielfältiger die Möglichkeiten, desto größer die Chance, junge Frauen für Beteiligung zu gewinnen", sagt Elies. Doch was können Organisationen und auch die Politik tun, um Mitwirkung und Teilhabe von Frauen neu zu gestalten? Man müsse die Engagementbedürfnisse und -potentiale von Frauen in den Mittelpunkt stellen, sagt Elies und resümiert: "So bekommen wir unweigerlich auch eine Antwort auf die Frage: Wie kann soziale und demokratische Innovation in unserem Land aussehen?"

Als Höhepunkt des Abends wurde die AWO Schleswig-Holstein erstmals die Getrud Völcker Verdienstmedaille an drei Ehrenamtliche vergeben, die sich in besonderer Weise für die Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein eingesetzt haben. Auch die Namensgeberin - die Kieler Sozialdemokratin Gertrud Völcker -  hatte sich in bemerkenswerter Weise für die Arbeiterwohlfahrt und den Schutz und das Wohl von Kindern, Jugendlichen und Frauen eingesetzt. Als Dank für ihr langjähriges Engagement als Ehrenamtler*innen wurden Liselotte Mehlert, Hans-Heinrich Itzke und Peter Perthun für ihren außerordentlichen Einsatz für die AWO Schleswig-Holstein auszeichnet.

Das sind die Medaillen-Träger

Liselotte Mehlert ist am 1. Juli 1971 in die Arbeiterwohlfahrt, Ortsverein Gelting-Rabel-Maasholm eingetreten. Als 1. Vorsitzende entwickelte sie bis Juni 2016 den Ortsverein zu einem verlässlichen Partner in sozialen Fragen und Aktivitäten in der Region. Auf ihren Vorschlag hin wurde im Frühjahr 1990 im neu erbauten Geltinger Katharinenhof ein Mittagstisch für alleinstehende Menschen aus Gelting und den umliegenden Orten eingerichtet und durch den Ortsverein betrieben. Hier erhalten heute noch Menschen mit wenig Geld jeden Montag ein frisch zubereitetes Mittagessen und können ihre sozialen Kontakte pflegen.

Hans-Heinrich Itzke ist seit knapp 45 Jahren Mitglied der Arbeiterwohlfahrt und seit 2007 Vorsitzender im Ortsverein Süderbrarup. In seiner Vorstandszeit konnte auf Grund seines persönlichen Einsatzes die Mitgliederzahl deutlich gesteigert werden. Itzke ist Motor für das "Kinderwandern" in Süderbrarup, an dem zweimal jährlich zwischen 500 und 750 Kinder teilnehmen und organisiert zudem das Wandern mit, bei dem zu Gunsten von UNICEF gesammelt wird. Weiterhin organisiert er in den Sommerferien die Kinderferienaktion vor Ort, an der jedes Jahr rund 100 Kinder teilnehmen, die nicht mit ihren Familien in den Urlaub fahren können.

Peter Perthun ist seit 40 Jahren Mitglied der Arbeiterwohlfahrt im Ortsverein Lauenburg. Seit 2000 ist er Mitglied des Kreisvorstandes Herzogtum Lauenburg und hat sich als stellv. Kreisvorsitzender maßgeblich an der Strukturreform der AWO für den Kreisverband Lauenburg eingebracht. Zu seinen größten Verdiensten gehörte die klare Ausrichtung des Kreisverbandes nach der Strukturreform zur Stärkung der Ortsvereine und damit zur Stärkung der Verbandsarbeit vor Ort. Somit war es möglich, Kampagnenarbeit mit den Gliederungen zu vernetzen und der AWO im Kreis ein klares politisches Profil zu geben. Seit 2007 ist Peter Perthun Kreisvorsitzender und in dieser Funktion auch überregional in den Gremien und Gesellschaften der AWO SH tätig.

Frauenrechte auch in Zukunft stärken

Im kommenden Jahr feiert die AWO ihr 100-jähriges Jubiläum: "100 Jahre AWO – Erfahrung für die Zukunft" lautet das Motto. „In dieser langen Zeit ist zwar viel passiert – trotzdem sind die Forderungen nach einem selbstbestimmten, gewaltfreien und ökonomisch abgesicherten Leben sowie nach gleichberechtigter Teilhabe an der Gestaltung der Gesellschaft für alle Frauen auch heute nicht zufriedenstellend erreicht“, sagt AWO Landesvorsitzender Wolfgang Baasch. Beim Thema Frauenrechte gibt es auch in Zukunft für die AWO Schleswig-Holstein noch viel zu tun.

Um es mit Worten von Marie Juchacz zu sagen: "Wir sollten die Gegenwart an der Vergangenheit prüfen und uns an dem, was daran gut war, neu orientieren. Nicht, um in der Vergangenheit zu verharren, sondern um immer wieder erneut für die Zukunft bereit zu sein."

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Bild 2: Klassische Musik beim AWO-Jahresempfang.
Foto: Mona Taube

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