Bessere Chancen für arme Kinder

AWO Schleswig-Holstein fordert familienpolitisches Umdenken
 
Kiel/Gütersloh. In einer freien Gesellschaft muss jedes Kind die gleichen Chancen haben, sich zu entwickeln. Doch die neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung beweist immer noch das Gegenteil: Kinder, die einmal von Armut betroffen sind, bleiben es meistens länger. "Soziale Gerechtigkeit zählt zu den Grundwerten der Arbeiterwohlfahrt", sagt AWO-Geschäftsführer Michael Selck, "in all unseren Kindertageseinrichtungen lernen Kinder bereits im frühkindlichen Alter ihre Bedürfnisse zu formulieren und sich für diese in einer Gemeinschaft einzusetzen – nicht im egoistischen Sinne, sondern im Sinne demokratischer Strukturen." Die AWO verstehe ihre Aufgabe somit als Wiege der Demokratie. Denn nur in einer Gesellschaft, in der alle die gleichen Bildungschancen hätten, könnten demokratische Systeme dauerhaft verankert bleiben.


Umdenken in der Familienpolitik gefordert
Armut bedeutet heutzutage nicht mehr in erster Linie Hunger und Obdachlosigkeit. Armut für Kinder bedeutet heute einen Mangel an Chancen, sein eigenes Leben frei zu gestalten. In Schleswig-Holstein wächst jedes sechste Kind in Armut auf: Ende 2015 lebten mehr als 60.000 Kinder in Haushalten, die Sozialleistungen beziehen. "Wir unterstützen außerdem die Forderungen des Deutschen Kinderhilfswerk und der Bertelsmann Stiftung nach einem generellen Umdenken in der Familienpolitik", sagt Michael Selck, "wir müssen endlich wegkommen vom traditionellen Familienbild hin zur Frage, welche Unterstützung braucht das Kind." In diesem Sinne sind auch Kinder von Alleinerziehenden auffallend stärker von Armut bedroht.

Bildungs- und Chancengleichheit sind ein wichtiges Gut in der Demokratie. Der drohende Fachkräftemangel spielt in diesem Zusammenhang auch eine wichtige Rolle. Denn bereits Kleinkinder verbringen immer weniger Zeit zuhause und immer mehr Zeit in Kindertageseinrichtungen, wie das Statistikamt Nord bestätigt. "Das pädagogische Personal trägt demnach eine ständig wachsende berufliche, aber vor allem gesamtgesellschaftliche Verantwortung", so Selck.

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